Offener Brief an den Bürgermeister

Allgemein

Offener Brief an den Bürgermeister der Gemeinde Raesfeld, Erle, Homer:

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

nun ist es also geschehen: Das alte Pfarrheim ist verkauft – an einen Käufer aus dem Ruhrgebiet.

Schade!

Die weitere Nutzung wird in dem Zeitungsartikel vom 3.1.2015 nur angerissen. „Nach außen werde nichts umgebaut.“ Sicher? Weiß der neue Eigentümer von Ihrer Zusage aus dem öffentlichen Teil der Ratssitzung vom 7.4.2014: „Wir werden die Bauvorschriften so gestalten, dass das äußere Erscheinungsbild des alten Pfarrheims nicht zerstört wird.“? Oder war das wieder nur ein Lippenbekenntnis, von denen man im Zusammenhang mit dem Erhalt des alten Pfarrheims so viele gehört hat?

 

Zu Erinnerung: Das alte Pfarrheim von 1790 ist ein unverzichtbares Element des Ensembles um die Femeiche und von unleugbarer historischer Bedeutung für Erle.

 

Aus diesem Grund haben sich viele Erler Bürger und Bürgerinnen mit großem Engagement für den Erhalt des Gebäudes stark gemacht, nachdem die katholische Kirche als Eigentümerin ihre Verkaufabsichten öffentlich gemacht hatte.

 

Da die katholische Kirche aus nachvollziehbaren Gründen den Verkauf vorantreiben musste, war die politische Gemeinde gefragt, das Haus zu erwerben, denn die Attraktivität des Areals um die Femeiche, die zu den ältesten Bäumen der Welt gehören soll, hatte es verdient, für Einheimische und Touristen optimiert zu werden.

 

Der Antrag der SPD-Fraktion in der Ratssitzung vom 7.4.2014, den Rat der Gemeinde dazu zu bewegen, das alte Pfarrheim zu kaufen (für den geradezu lächerlichen Preis von ca. 115.000 €) und damit für die Erler zu erhalten, wurde von Ihnen, der CDU und leider auch von den Vertretern der UWG und der Grünen abgelehnt.

 

Zwei Konzepte, die Ihnen vorgestellt wurden (Bürgersaal, Museumsraum, Café, Mietwohnung auf der einen oder Einrichtung eines Mini –Kulturzentrums nach dem Vorbild des erfolgreichen Jüngerhofes in Kirchhellen auf der anderen Seite) wurden von Ihnen freundlich entgegen genommen und dann?

 

Lippenbekenntnisse gab es reichlich von fast allen Parteien - besonders in der Bürgerversammlung am 13. Mai 2014! Allein der politische Wille fehlte.

 

Welch eine Chance für eine erfolgreiche Dorfgestaltung wurde verpasst!

 

Die Nachricht vom Verkauf lässt Bitterkeit aufkommen.

 

Denn: Die Gemeindeverwaltung und der Rat unter Ihrem Vorsitz kauft Grundstücke in großer Anzahl auf (u.a. das ehemalige Kasernengelände in Erle noch unter Ihrem Vorgänger, den Erler Kirchring und nun auch noch die traditionsreiche Gaststätte Epping), was an sich sinnvoll ist, um die Dorfgestaltung nicht in fremde Hände gehen zu lassen. Doch was bleibt von diesem Anspruch übrig, wenn man allenthalben die Abrissbagger folgen lässt?

 

Dorfentwicklung heißt für mich, Erhaltung historischer Bausubstanz durchaus mit zeitgemäßer Ausstattung und Nutzung.

 

 

In diesem Zusammenhang sollte man den Erwerb der Gaststätte Epping nicht unerwähnt lassen: Die Gemeinde kauft ein Areal von knapp 3000 Quadratmetern – zu welchem Preis? Mit welchem Nutzungskonzept? Nur der Vollständigkeit halber: Der Ankauf des alten Pfarrheims samt der teuersten Variante der Renovierung hätte ca. 900.000 € gekostet!

 

Im Gegensatz zu Ihnen, bin ich „nur“ eine Zugezogene (ich lebe erst seit knapp 20 Jahren in Erle); gerade deshalb maße ich mir an, Sie auf die verpasste Chance hinzuweisen; man sollte schon mal über den Tellerrand gucken, um festzustellen, wie in anderen Ländern, auch in Deutschland und sogar im Münsterland mit historischen Bauten umgegangen wird. Man lässt sie nicht verwahrlosen, damit man sie dann ohne Gewissensbisse abreißen kann, um hässliche Betonklötze hinzubauen (übrigens Sie erlauben mir die Feststellung: eine besonderes Merkmal Ihrer Baupolitik), sondern man versucht sie zu erhalten. Nur so kann man sicherstellen, dass der ursprüngliche Charakter eines Dorfes erhalten bleibt - nicht gerade zum Nachteil der örtlichen Geschäftsleute und Gastronomen.

 

Ich bin überzeugt, dass so manchem Erler, der Ihre Baupolitik befürwortet, angesichts des Kahlschlages am Kirchring noch die Tränen kommen werden.

 

Wenn die Baupolitik in unserer schönen münsterländischen Gemeinde weiterhin so betrieben wird, werden aus unseren liebenswerten Dörfern mit ihrem ursprünglich einzigartigem Charakter gesichtslose Häuseransammlungen.

 

Wollen Sie das wirklich?

 

Bezogen auf das alte Pfarrheim bleibt uns leider nichts anderes mehr übrig, als die Entwicklung hilflos abzuwarten.

 

Schade!

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Elke Rybarczyk

SPD-Ortsvereinsvorsitzende

 
 

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